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Ein Tag im Kindergarten ist kein Kindergarten

Liebe Eltern,

mit der KigaClick App für Eltern wollen wir euch einen Einblick in den Alltag in Kindergärten und Krippen geben. Es geht vor allem um den Alltag und die Erlebnisse der Kinder. Was aber alles passiert, damit wir unsere Kinder am Ende des Tages, gesund und glücklich wieder mit nach Hause nehmen können? Kindergärten und Krippen sind für die meisten Eltern ein schwarzes Loch. Morgens gebe ich ein Kind ab, wechsle ein paar nette Worte mit der Erzieherin oder Kinderpflegerin und hole abends meinen Schatz gesund und munter ab, was aller meistens auch möglich ist. An manchen Tagen wird mir gesagt sie hat sich das Knie aufgeschlagen, mit einem Gruppenkumpel gestritten oder findet ihren Sonnenhut nicht mehr. Ziemlich wenig Aufregung für einen ganzen Tag Spiel und Abenteuer mit 24 anderen Kindern.

Das Bild von der Erzieherin mit Kaffeetasse und daneben den Kindern im Sandkasten hält sich hartnäckig in den Köpfen der Gesellschaft. Aber der Erzieheralltag ist länger, härter und anstrengender als ratschen und zusehen. Jeder von uns, der sich schon zu einer Geburtstagsparty mit 10 Freunden überreden ließ weiß, wovon ich spreche. Wenn also am Ende des Tages eine der Damen oder Herren die uns unser Kind übergeben tatsächlich eine Kaffeetasse hält, kann es sein, dass sie das erste Mal am Tag eine Hand frei hatte, um das zu tun.

Hier also eine gebrochene Lanze für die pädagogischen Fach- und Ergänzungskräfte in Kindertagesstätten.

Der Einfachheit halber packe ich Kindergarten und Krippe unter einen Hut, der Tagesablauf ist ähnlich. Der Unterschied liegt in der Art der Angebote und darin, dass man zwar weniger Kinder betreut, diese aber mindestens doppelt so intensiv.

Zwischen 7 und 8:

Die meisten Kitas öffnen in dieser Zeit, sind aber personell noch nicht voll besetzt. Die ersten Mitarbeiter machen Fenster auf, kochen Wasser für den Frühstückstee, bereiten Tische und Frühstück vor, machen die Bastelecke bereit, nehmen die ersten Frühaufsteher in Empfang, hören den Anrufbeantworter ab und holen das mobile Telefon aus der Station um Abmeldungen entgegenzunehmen, Fragen zu beantworten. Zudem machen sie einen Rundgang durch das Haus. Sie sprechen sich mit den Kollegen ab die schon da sind, was Krankheiten, Tagesplanung usw. betrifft. Wenn es einen Fall einer ansteckenden Krankheit gibt, machen sie einen Aushang.

8-9 Uhr

Nachdem das Haus startklar gemacht wurde, holen die Kollegen die jetzt ankommen ihre Kinder aus der frühmorgendlichen Auffanggruppe und eröffnen ihre eigene Gruppe. Jetzt gibt es auch die erste interne Informationsweitergabe.

Die Erzieher führen jetzt ca. 25 Tür- und Angelgespräche und beantworten Fragen der Eltern. Sie besprechen mit diesen kurz Themen wie schlechten Schlaf, die Oma kommt heute zum Abholen, die Mütze ist verloren, usw. In der Krippe führt man hier weniger Gespräche, diese werden inhaltlich aber erweitert durch: Wunde Pos, Bauchschmerzen, Zähne, Rotznasen, Tipps beim Einschlafen, Wechselwäsche, Windeln sind aus, und diverse Themen, aus denen die Kinder irgendwann herauswachsen. Bei den 1-3 jährigen sind sie noch ziemlich aktuell. Nebenbei empfangen sie Kinder, trösten jene die sich schwer tun mit dem Abschied, sind gleichzeitig fröhlich und offen mit den Kindern die gerne kommen und die ersten Aktivitäten starten, z.B. basteln, malen, usw. Zu jedem kommenden Kind gehört ein Haken in die Anwesenheitsliste.

Kinder nehmen ein erstes oder zweites Frühstück, wollen Äpfel geschält, Brote geschmiert und verschüttete Milch aufgewischt haben. Ein paar Kinder sind in der Bauecke, andere malen, wieder andere wollen vorgelesen bekommen oder stellen Fragen. Zwischendurch gibt es den ersten Streit zwischen Kindern, um den sich die Erzieherin kümmern muss.

9 Uhr

Morgenkreis: Der erste echte Termin des Tages, alle Kinder werden gegrüßt, man bespricht, wer da ist und warum andere nicht. Es wird ein Lied gesungen, der Tag besprochen, über das Wetter geredet, mit den Kindern aktuelle Themen diskutiert, wie z. B. Geburtstage, Hunde auf dem Weg in den Kindergarten, ein verlorener Handschuh. Die Erzieherin ist hier Ordner, Moderator, Teilnehmer, Sänger und vieles mehr.

9:30 Uhr

Die Zeit mit pädagogischen Angeboten beginnt, Turnstunden, gemeinsames Basteln oder Geburtstagsfeiern. Bei schönem Wetter gehen viele Gruppen in den Garten. Für uns Eltern, die wir morgens in Stress kommen, weil wir vielleicht 2 Kinder für den Kindergarten fertigmachen müssen: Das bedeutet 25 Paar Schuhe binden, im Winter in Jacken helfen im Sommer Sonnencreme auf 25 Kinder schmieren, usw. Bei kleinen Kindern hat eine gute Kraft im Kopf, wann diese das letzte Mal auf der Toilette waren und versucht sich und die Kinder daran zu erinnern mal wieder zu gehen.

11:00 Uhr

Mittagessen. Zum Mittagessen gehört: Händewaschen vorher, Tischdecken organisieren, Streit schlichten, wer wo sitzt, 25 Kinder ruhig bekommen, usw. In der Krippe wird jetzt die ganze Gruppe gewickelt. Dann wird gemeinsam gegessen, wobei die Mitarbeiter mit 25 Geschmäckern zurechtkommen und sich Kinder gegenseitig mit ,,Das schmeckt mir nicht“ anstecken. Zwischendurch den ,,Starnberger See“ bekämpfen, wenn ein Glas umkippt, usw. Wenn es irgendwie geht und die Einrichtung es erlaubt, kann eine Erzieherin hier auch mal einen Happen essen. Anschließend Zähneputzen, wieder Händewaschen, Tische abräumen, Essensreste in die Küche bringen. Kleine Kinder für die Mittagsruhe fertigmachen. Für die Krippenzwerge die Betten bereiten, nochmal wickeln.

13:00 Uhr

In einigen Einrichtungen gehen die kleineren Kinder jetzt schlafen, den größeren wird wahrscheinlich ein Buch vorgelesen, oder ruhige Selbstbeschäftigung angeboten. Wenn es irgendwie geht, machen die Mitarbeiter jetzt Mittagspause. Es gibt Mitarbeiter, die behaupten sie hätten schon mit den Kindern Pause gemacht, beim Mittagessen, Haha. Oder sie nutzen in der Krippe die Schlafwache, um sich mal ein paar Minuten Auszeit zu gönnen. Ein Kind, das in der Krippe nicht einschlafen kann, kostet übrigens manchmal eine Mittagspause.

1
4:00 Uhr

Zweite Zeit für Angebote. Basteln, Garten, freies Spielen, Turnen, Vorschule. Je nachdem wie der Vormittag ausgesehen hat. Wieder alles für 25 Kinder oder 12 ganz kleine.

15:00 Uhr

Brotzeit: In Krippe und Kindergarten wird viel und oft gegessen, also wieder aufdecken, herrichten, Hände waschen, usw.

15:30 Uhr bis 17:00 oder auch später.

Das große Abholen geht los. Die meisten Kinder werden abgeholt. Wieder Übergabegespräche, Unfälle und Beulen an Eltern weitergeben, die Erlebnisse des Tages kurz berichten, im Auge haben, wer von wem abgeholt wird und ein Haken in die Liste. Krippenkinder werden üblicherweise spätestens um halb 4 noch mal komplett durchgewickelt.

Spätestens um 16 Uhr beginnt der Exodus der Kollegen, also werden auch unter den Erziehern Übergaben der Kinder durchgeführt, Besonderheiten zur Weitergabe an Eltern beauftragt, usw.

Nach ,,Dienstschluss“ noch ein Rundgang durch die Einrichtung: sind alle Fenster geschlossen? Was muss noch aufgeräumt werden, weil die Jungs in der Bauecke das Chaos unbeseitigt hinterlassen haben? Die Gruppe wird so gut wie möglich für den nächsten Tag vorbereitet.

Was für ein Tag!

Und zur Erinnerung:
Das Ganze mit 12, bzw. 25 Kindern außen rum die teilweise einen Lärmpegel herstellen bei denen arbeitsschutzrechtlich mindestens ein Gehörschutz vorgeschrieben ist. Nicht zu vergessen, dass man auf zu kleinen Stühlen oder gleich auf dem Boden arbeitet, ständig Kinder hochheben muss, Pipi und Schlimmeres wegwischt und die dazugehörigen Gerüche akzeptiert.

Dieser Tag hat mehr als 8 Stunden, eine Erzieherin aber maximal einen Vertrag über eine 40 Stundenwoche; es ist also nicht schwer auszurechnen, dass die 2,5 Personen die als Regelteam in einer Gruppe arbeiten nicht ausreichen, um das immer zu zweit zu stemmen. Ganz abgesehen von Urlaub, Überstunden, Krankheit, Fortbildungen.

Und jetzt kommt die Liste mit Erledigungen, die eine Erzieherin zwischendurch, oder anschließend (in Überstunden) noch zu erledigen hat:

  • Elterngespräch führen und vorbereiten (mindestens 1 mal pro Jahr und Kind, in der Krippe meist öfter)
  • Entwicklungsdokumentation
  • Vorbereitung von Angeboten
  • Teamgespräche
  • Gruppentagebuch
  • Gruppenkasse
  • Listen führen
  • Elternbriefe und Rückläufe organisieren
  • Fortbildungen
  • Eingewöhnung
  • Vorgespräche bei neuen Kindern
  • Feste vorbereiten
  • Kinder Umziehen, die sich schmutzig gemacht haben
  • Pflaster kleben und trösten

Ein Danke an alle Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen, Praktikanten, Sozialpädagogen, Hilfskräfte, Heilerziehungspflegerinnen, und alle die sonst in Krippen, Kindergärten und Kindertagesstätten einen super Job machen.

Vor allem bin ich aber überzeugt, dass wir alle kurz über diesen Tagesablauf nachdenken sollten, wenn einem eine Beschwerde über schmutzige Kleider, eine nicht ganz perfekt gewickelte Windel, den ausgefallenen Ausflug am Freitag, verloren gegangene Mützen und andere Kinkerlitzchen auf der Zunge liegt.

Von |2017-03-15T13:19:10+00:0026. Oktober 2016|Allgemein|1 Kommentar

Autor:

Ein Kommentar

  1. Tina Hausten 5. Januar 2018 um 9:47 Uhr - antworten

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Es ist schön hiervon zu lesen. Dass nenne ich mal gute Neuigkeiten aus dem Kindergarten.

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