Die Legende vom guten Betreuungsschlüssel

Kürzlich waren wir auf einem Kongress für KiTaleiterinnen und –leiter. Neben vielen Themen, die es immer wieder gibt: Verbesserungen im Alltag, selbstbewusstem Auftritt, Leitungskompetenzen und ähnlichen Themen ging es in einer Podiumsdiskussion um den Betreuungsschlüssel.

Ich habe mich in diesem Zusammenhang daran erinnert wie ich einer Gruppe von Eltern die Legende vom guten Betreuungsschlüssel madig machen musste.

Hier kurz die Legende:

,,In der Krippe, die mein Kind besucht, arbeiten eine Erzieherin, eine Kinderpflegerin und eine Praktikantin. Also 3 Personen, die sich immer um meine Kinder kümmern können.“

Es ging in dem Gespräch darum, dass wir in der Einrichtung, in der ich damals gearbeitet habe, verschiedene Aktionen nicht durchführen konnten, wie die Eltern sich das gewünscht hätten.

Nun die Zerstörung der Legende:

Die Kita öffnet um 7:00 Uhr, die Zeit, in der die meisten Kinder kommen beginnt gegen 8:00 Uhr, die Einrichtung schließt um 18 Uhr, die meisten Kinder gehen um 16 Uhr.

Öffnungszeit: 11 Stunden pro Tag macht 55 Stunden pro Woche.

Zeit mit vielen Kindern 8 Stunden pro Tag macht 40 Stunden pro Woche.

Die Mitarbeiter haben Verträge über maximal 40 Stunden pro Woche eher weniger.

3 Wochen Schließzeit, sind 15 Tage, die Mitarbeiter haben aber üblicherweise ca. 30 Urlaubstage.

Dazu kommen Fortbildungen, Krankheit, Teambesprechungen, Elterngespräche, Verfügungszeit um pädagogische Angebote vorzubereiten, usw. Praktikanten haben auch noch Schultage, Lerntage, Prüfungen und diverse andere Dinge zu tun neben dem Gruppendienst.

Jetzt brauchen wir nicht viel länger zu rechnen und nicht viel Fantasie, um zu erkennen, die 3 Leute sind so gut wie nie alle da.
Noch besser wird es, wenn Eltern erzählt wird, die Gruppe wird mit zwei Vollzeit- und einer Teilzeitkraft besetzt.
Die Legende von den drei Mitarbeitern pro Gruppe ist ungefähr so glaubhaft wie der Osterhase oder das Christkind.