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Digitalisierung in Kindertagesstätten – Sinn oder Unsinn?

Verschiedene Zielgruppen, verschiedene Ansichten

Mit KigaClick sind wir Anbieter einer digitalen Lösung für ein analoges Problem. Daher bin ich als Mitarbeiter vielleicht nicht vollkommen neutral. Allerdings bin ich auch Vater und Pädagoge mit einigen Jahren Berufserfahrung in Kindergärten und Kindertagesstätten. Daher bilde ich mir meine Meinung aus drei Standpunkten, zu denen ich den Leser gerne einladen möchte:

  1. Digitalisierung der Arbeit im Kindergarten
  2. Kinder und deren Kontakt zu modernen Medien
  3. Kommunikation mit Eltern

 

  1. Digitalisierung der Arbeit im Kindergarten

Als Erzieher und KitaLeiter bin ich immer wieder über ineffiziente Arbeitsweisen gestolpert. Sicher nicht im Umgang mit den Kindern. Jeder gute Pädagoge sollte versuchen so viel Zeit wie möglich mit den Kindern zu „verschwenden“ ohne dabei auf die Uhr sehen zu müssen. Also spielen, toben, basteln, ratschen, Sandburgen bauen usw. Allerdings habe ich mehr als einmal erlebt, dass die direkte Beschäftigung mit den Kindern zu kurz gekommen ist, weil Nebentätigkeiten des Erzieherberufes, zu viel Zeit kosten. Listen, Vorbereitungen von Eltern- und Teamgesprächen, Notizen, usw. fressen die Tage, die den Kindern gehören sollten.

Es kann nun aus meiner Sicht nicht darum gehen Arbeitsabläufe industriell zu optimieren. Vielmehr ist mein Ziel die gegebene Zeit für die Mitarbeiter in den Gruppen richtig nutzbar zu machen. Elterngespräche auf Notizblöcken vorbereiten, von Kollegen überarbeiten lassen und danach am PC ins Reine schreiben; Zettel an Eltern verfassen und anschließend verlieren, Telefonlisten händisch anpassen und führen, Beobachtungsbögen für den Schrank, usw. Überall gehen wertvolle Minuten verloren, die den Kindern fehlen.

Erzieher arbeiten noch wie vor 30, der Arbeitsaufwand hat sich seitdem aber stark verändert. Erstens hat die Erzieherin heute nicht mehr wie vor einigen Jahren nachmittags eine kleine bis Kleinstgruppe. Die meisten Kinder gehen nicht mehr wie damals nach dem Mittagessen zu Mama nach Hause. Zweitens ist der Verwaltungsaufwand für Kindertagesstätten durch Gesetze, Regelungen und die Schnelllebigkeit der Gesellschaft gestiegen.

Hier bin ich also ein großer Befürworter einer stärkeren Digitalisierung. Nicht zuletzt zum Wohl der Kinder müssen wir die Werkzeuge der pädagogischen Mitarbeiter modernisieren. Weder aus pädagogischer noch aus nostalgischer Notwendigkeit heraus halte ich die Nutzung der bisherigen analogen Arbeitsmittel für richtig oder wichtig.

  1. Kinder im Kindergarten und Kontakt zu Medien

Ich bin nun kein absoluter Befürworter von Kindern am Computer ab dem Vorschulalter. Meine Kinder (5 und 10 Jahre alt) nutzen beide für Ihre Zwecke das Internet (youtube, MausApp, google, Wikipedia, spotify usw.), denn ich bin der Meinung sie sollten sich früh mit den neuen Medien auseinandersetzen, schließlich werden sie sonst von den Fähigkeiten und Anforderungen überrollt, sobald sie im Teenageralter zwangsläufig mit facebook, dem Internet und den neuen Medien konfrontiert werden.

Hier ist mir allerdings auch wichtig, dass der Konsum nicht überhand nimmt, und dass ich selbst entscheide welche Inhalte meine Kinder ansehen. Da halte ich es wie vernünftige Leute vor 30 Jahren mit dem Fernsehen. Verbote sind eher kontraproduktiv. Ein gezielter und begleiteter Umgang mit den Medien kann aber nicht schaden. Vor allem, weil ich vermute, dass wir Internet, Computer und neue Medien kaum mehr loswerden in den nächsten Jahren.

Deshalb denke ich, dass ein gemeinsamer Umgang mit den neuen Medien und deren Möglichkeiten auch im Kindergarten Platz finden sollte.

Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass für Lernen und die Entwicklung einer gesunden Neugier das buchstäbliche „Begreifen“ von Dingen und unerlässlich ist. Daher gehe ich wenn möglich mit den Kindern lieber in den Zoo als Bilder von Löwen zu Googeln, sammle lieber bei schlechtem Wetter Kastanien im Park als mich mit den Kindern vor dem Fernseher zu verstecken und erwarte das auch vom Kindergarten.

Hierzu passt übrigens dieser Beitrag.

Ansonsten dürfen Kinder aber auch in Kindergarten und Krippe erleben, dass man einen Computer für die Arbeit benutzen kann, dass er eine tolle, wenn auch nicht ganz ungefährliche Quelle für Informationen sein kann (Stichwort google und Wikipedia) und dass man ihn auch wunderbar abstellen, bzw. zur Seite legen kann, wenn die reale Welt ein Erlebnis für mich bereit hält.

  1. Kommunikation mit Eltern

Der Vorteil, den die Digitalisierung im Umgang mit den Eltern zu bieten hat, ist auch differenziert zu betrachten. Einerseits, ist die E-Mail und die Digitalkamera eine echte Bereicherung für die Kommunikation zwischen Eltern und Erziehern. Vor allem weil die Kinder eben nicht nur für wenige Stunden des Tages in der Kindertagesstätte sind, und weil der Kopf von Eltern und Erziehern zu voll ist um an alles zu denken was noch mitgeteilt werden müsste.

Allerdings halte ich es nicht für machbar, eine so wichtige Zusammenarbeit wie die Erziehungspartnerschaft, mit dem Wohlergehen des eigenen Kindes zum Ziel, über elektronische Medien zu gestalten. Hier also ein klare Abgrenzung zwischen zwei Sachgebieten.

Elternkommunikation im Bereich Informationen weitergeben gut; dazu gehört für mich

  • Windeln und Wechselwäsche müssen wieder gebracht werden
  • Kind hat normal gegessen
  • Schließzeiten und Termine
  • Informationen über Ausflüge und Veranstaltungen
  • Adressänderungen, neue Telefonnummern

Elternkommunikation über Entwicklung und Pädagogik, auf gar keinen Fall;

  • Wie geht es meinem Kind
  • Fühlt es sich wohl
  • Wie hat es sich entwickelt
  • Was können wir tun wenn es in einem Bereich Schwierigkeiten gibt.

Hier bin ich fest davon überzeugt, dass keine E-Mail, keine App, allerdings auch kein Telefonat ein vertrauensvolles und intimes Elterngespräch ersetzen kann. Allerdings macht es meiner Meinung nach auch mehr Sinn sich im Tür- und Angelgespräch über das echte Befinden des Kindes zu unterhalten, als über volle Windel und anstehende Termine.

Also was denn nun?

Schlussendlich bin ich ein Freund der Digitalisierung, auch in Kindertagesstätten und für verschiedenste Bereiche. Die meisten Dinge lassen sich am Computer oder mit elektronischen Hilfsmitteln schneller und einfacher erledigen und damit bleibt einfach mehr Zeit um sich um das analoge Leben zu kümmern und echte Abenteuer zu erleben, die die Welt für unsere Kinder bereithält.

Ein bisschen mehr Raumschiff Enterprise im Tausch gegen eine Menge mehr Bullerbü.

 

Von |2017-03-15T13:25:05+00:0010. Dezember 2016|Allgemein|1 Kommentar

Autor:

Ein Kommentar

  1. Jonas 12. Oktober 2018 um 11:04 Uhr - antworten

    Vielen Dank für diesen informativen Beitrag zum Thema Digitatlisierung eines Kindergartens. Es ist wichtig, sich über verschiedene Vor- und Nachteile über die Digitalisierung zu informieren, auch wenn digitale Medien in der heutigen Zeit eine große und wichtige Rolle spielen. Es ist dabei sehr wichtig, dass der Konsum nicht die Überhand gewinnt. Im Internet bin ich bei meiner Suche nach Kindergärten auf folgenden gestoßen, der mein Interesse geweckt hat: https://www.kinderhaus-kunterbunt.at/de/baden/

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