Warum ticken Kinder im Kindergarten anders als zu Hause?

Letzte Woche hatte ich Elterngespräch mit der Kleinen im Kindergarten. Zu Hause ist sie zurzeit ein echtes Monster, frech, wild, macht nicht, was man ihr sagt, ärgert ihre Schwester, bekommt Wutanfälle wegen Kleinigkeiten. Da ist es eine Freude zu hören, dass im Kindergarten von diesen Unmöglichkeiten nichts passiert. Oder möchte man doch lieber heulen.

Noch schlimmer ist es, weil ich das Thema auch als Erzieher kenne.

Mütter mit großen ungläubigen Augen, wenn sie sehen, dass alle Kinder gemeinsam den Gruppenraum sauber machen.

,,Wie schaffen Sie das bloß? Zu Hause ist es schon ein Drama, wenn sie ihre Barbiepuppe aufräumen soll, und hier spült sie ab und räumt die Bauecke auf, in der sie nicht mal gespielt hat.“

Das gilt nicht nur für das Aufräumen, auch 25 Kinder beim Mittagessen, Zähneputzen, in Zweierreihen auf dem Ausflug. All diese Dinge können sich Eltern fast nicht vorstellen, denn zu Hause bricht schon das Chaos aus, wenn nur die beste Freundin zu Besuch kommt.

Hier ein paar Erklärungsversuche:

Gruppenzwang

Was bei Teenagern zu Rauchen und schlechtem Benehmen führt, nutzen Pädagogen im Kindergarten dazu Gruppen zu führen. Wenn die Kinder etwas gemeinsam machen, kontrollieren sie sich gegenseitig und die Meinung der Kumpels gilt viel.

Alternativlosigkeit

Das hört sich vielleicht ein wenig politisch an, aber im Kindergarten gibt es zu den meisten Tätigkeiten tatsächlich keine Alternative. In der KiTa wird nicht diskutiert ob und warum eigentlich dieses und jenes getan wird. Die Kinder haben Mitspracherecht, wenn in der Gruppe, z. B. in der Kinderkonferenz gemeinsam etwas beschlossen wird, ansonsten gelten den Tag über feste Regeln.

Konsequenz

Im Kindergarten und auch schon in der Krippe agieren Erzieher und Kinderpfleger, also Profis, meist extrem konsequent. Für die Kinder ist immer klar, wenn ich dies und jenes mache, dann passiert entsprechend solches. Dadurch wird für die Kinder klar, dass es sich nicht lohnt, aus der Gruppe auszubrechen. Z. B. das Kind, das sich auf dem Ausflug nicht an die Zweierreihe hält, muss ab sofort mit dem Erzieher in der letzten Reihe gehen. Oder die Bauecke wird geschlossen, wenn sie nicht aufgeräumt wird. Konsequenzen, die nur schwer im Privaten umzusetzen sind.

Kinder kennen die Regeln und die Konsequenzen und diese sind nicht verhandelbar.

Auftritt

Erzieher treten den Kindern gegenüber oft klarer auf als viele Eltern das im Alltag schaffen. Hoffentlich wird das jetzt nicht falsch verstanden, aber die Erzieher sind nicht die Kumpels unserer Kinder im Kindergarten. Sie mögen unsere Kinder und haben eine emotionale Beziehung, aber gute pädagogische Mitarbeiter haben ein professionelles Auftreten gegenüber den Kindern. In den seltensten Fällen helfen Tränen in der KiTa um seinen Willen durchzusetzen. Sobald die Kinder das verstanden haben, lassen sie die Tränen einfach weg und halten sich an die Regeln.

Wenn man so darüber nachdenkt, kann einem schon klar werden, warum in den KiTa einiges anders läuft als zu Hause und vor allem die Kinder anders ticken.

Eigentlich ja ganz gut so. Schließlich sind wir zu Hause Eltern und keine Pädagogen.